Wohnungssuche in Beijing

Eine Unterkunft in Beijing zu finden geht wahnsinnig schnell. Wenn es sein muss, findet man innerhalb von Stunden eine neue Wohnung. Allerdings gibt es einige Fallstricke zu beachten: die Auswahl des Wohnortes, versteckte Kosten oder windige Makler. Ein Erlebnis-Bericht von SP-Alumni Jost Blöchl.

Wir haben mittlerweile zweimal eine Wohnung in Beijing gesucht. Zunächst nach unserer Ankunft in Haidian in der Nähe der Beiwai und jetzt im Sommer zum Beginn des Praktikums in Chaoyang. Es gibt nach unserer Erfahrung verschiedene Möglichkeiten, an eine Wohnung zu kommen. In wenigen Fällen ist es möglich, auf einen Makler zu verzichten. Generell gilt, dass das Wohnen außerhalb des Campus deutlich teurer ist als im Wohnheim. WG-Zimmer in einem vernünftigen Zustand sind derzeit (Sommer 2017) für ca. 3500 RMB/Monat zu haben. Für unsere Ein-Zimmer-Wohnung in Haidian (ca. 35qm) haben wir 6200RMB/Monat gezahlt.

Maklerbüros findet man in Beijing an jeder Ecke

Das Wohnungsangebot in Beijing ist sehr groß und es ist möglich, innerhalb von einem Tag eine Wohnung zu finden und diese auch schon beziehen zu können. Wir haben in beiden Fällen drei Tage benötigt. Chinesisch-Kenntnisse sind absolut von Vorteil. Idealerweise findet man einen chinesischen Freund, der bei den Gesprächen mit Maklern und Vermietern behilflich ist.

Wohin soll es gehen? Unbedingt vor Ort umschauen

Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, die Wohnungssuche mit einem Blick auf den U-Bahn-Plan zu beginnen und zu schauen, welche Stationen möglichst verkehrsgünstig zu den Orten liegen, an denen wir uns regelmäßig aufhalten. Nach Möglichkeit versuchen wir, zentrale Orte wie die Beiwai oder jetzt den Arbeitsplatz Tür zu Tür innerhalb von dreißig Minuten zu erreichen. Das bedeutet einen Umkreis von etwa drei bis sechs U-Bahn-Stationen, wenn man Fußweg und Wartezeiten an der Security sowie Umsteigezeiten mit einbezieht.

Als nächsten Schritt sind wir dann zu den ausgewählten U-Bahn-Stationen gefahren und haben uns vor Ort die Wohnhäuser und deren Zustand angeschaut sowie die Umgebung angeschaut. Hier lohnt es sich auch, einen Blick in die Häuser selbst zu werfen und in eines der höheren Stockwerke zu gehen. Das kann man meist gut an einem Tag schaffen. Idealerweise schaut man gleich parallel auf Apps wie fang.com oder ziroom nach Wohnangeboten in der Gegend. Auch auf den Internetseiten der großen Makleragenturen lianjia (www.lianjia.com) oder 我爱我家 (www.5i5j.com) kann man sich einen Eindruck verschaffen. Gleichzeitig bekommt man so ein Gefühl für das Preisniveau in der Gegend.

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Manchmal lässt sich der Makler vermeiden

Findet man ein Haus oder einen Compound, den man interessant findet, kann man entweder bei den oft vorhandenen Rezeptionen oder Baoan, die vor der Tür stehen, fragen, ob es eine Hausverwaltung gibt, die Wohnungen direkt vermietet. Wir hatten mit dieser Methode bei unserer zweiten Wohnung in Chaoyang Erfolg und konnten uns so ersparen einen Makler einzuschalten und mussten dementsprechend auch keine Gebühren zahlen.

Gibt es diese Möglichkeit nicht, kann man entweder Angebote über die oben angesprochenen Apps nutzen oder einen der zahlreich vorhandenen Makler ansprechen. Bei ziroom etwa zahlt man keine Maklergebühr, dafür aber eine Service-Gebühr, die dafür auch noch weitere Services beinhaltet, z.B. eine Putzfrau, die regelmäßig in die von ziroom betreuten Wohnungen kommt. Maklerbüros findet man in Beijing an wirklich jeder Ecke, wenn man sich etwas umschaut. Wenn man langwierige Besichtigungen vermeiden will, sagt man am besten direkt, welche Häuser und Compounds man interessant findet und fragt nach Wohnungen dort. Bei unserer ersten eher unbedarften Wohnungssuche haben wir uns zunächst diverse abbruchreife Wohnungen anschauen müssen, bevor wir schließlich akzeptable Wohnungen gezeigt kamen.

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Wenig Verhandlungsbereitschaft – die Miete

Was den Mietpreis angeht, sind insbesondere die Makler nicht besonders flexibel. Ich vermute, dies hängt damit zusammen, dass sich deren Provision nach der Höhe der Miete (1 Monatsmiete) richtet. Bei unserer ersten Wohnung haben wir die Makler erst zu Zugeständnissen bewegen könne, als wir uns Konkurrenzangebote anderer Makler für Wohnungen im gleichen Haus eingeholt und angekündigt hatten, uns für das günstigste zu entscheiden. Im Gespräch mit dem tatsächlichen Vermieter, dem Eigentümer der Wohnung, kann man manchmal noch ein bisschen was herausholen. Wir haben dann meist argumentiert, dass wir noch Möbel oder Anschaffungen für die Wohnung machen würden. Auch die deutsche Verlässlichkeit in Sachen Pflege der Wohnung ist nach unserer Erfahrung ein gutes Argument.

Mietverträge haben meist eine feste Laufzeit von einem Jahr. Viele Vermieter verlangen eine Abschlagszahlung, wenn man vorher aus dem Mietvertrag aussteigt. Das sollte man bei Berechnung der Gesamtkosten im Hinterkopf behalten. Es ist außerdem üblich, für bis zu drei Monate im Voraus zu bezahlen, d.h. man benötigt unter Umständen erhebliche Barmittel, um eine Wohnung anzumieten, im schlimmsten Fall fünf Monatsmieten (einmal Kaution, dreimal Miete, einmal Makler). Die Anzahl der im Voraus zu zahlenden Monate ist meist verhandelbar, die meisten Vermieter werden aber eine höhere Miete verlangen, wenn man monatlich zahlen möchte.

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Gut kontrollieren: die Dokumente des Vermieters

Bei Abschluss des Mietvertrags sollte man darauf achten, dass man vom Vermieter eine Kopie seines Ausweises, und eine Kopie seiner Eigentumsurkunde für die Wohnung bekommt. Beides benötigt man gemeinsam mit dem Mietvertrag zur Vorlage bei der Polizei, wenn man seinen Wohnsitz anmeldet.

Weitere Möglichkeiten, an eine Wohnung oder ein WG-Zimmer zu bekommen sind insbesondere einschlägige Angebote auf Expat-Seiten wie www.thebeijinger.com oder WeChat-Gruppen für Ausländer. Für uns kamen diese Angebote allerdings nicht in Frage, weil in Haidian in der Nähe der Beiwai keine Angebote vorhanden waren und wir bei der zweiten Wohnung über die Hausverwaltung einen kostengünstigen Weg gehen konnten.

Insgesamt ist die Wohnungssuche eine eher leidige Angelegenheit, aber gerade wenn man bereits ein bisschen Chinesisch sprechen kann, ist auch ein interessanter Einblick in den chinesischen Alltag, sich mit einem Makler einige Wohnungen anzuschauen. Oft kommt man auch mit den Vermietern selbst ins Gespräch. Unsere erste Wohnung in Haidian hatten unsere Vermieter beispielsweise gekauft, um einen Wohnsitz in Haidian zu haben, damit ihre Kinder später auf die berühmten Schulen dort gehen können. Unsere zweite Wohnung ist ein reines Rendite-Objekt, welches der Vermieter eigentlich verkaufen möchte, aber derzeit wegen der Unklarheiten zur Kreditvergabe und strengerer Regelungen zum Verkauf nicht abgesetzt bekommt.

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