Paare traut Euch ins Reich der Mitte!

Katrin Blasek (Jahrgang 5) und Alexander Hartberg (Jahrgang 8) waren schon ein Paar, bevor sie in unterschiedlichen Jahrgängen das Programm absolvierten. Sie ist heute Professorin und Beraterin und lehrt unter anderem Chinesisches Recht. Er arbeitete nach der Sprachphase in Korrespondentenbüros in China mit.

Ihr habt beide unabhängig voneinander und im Abstand von drei Jahren das Programm in China durchlaufen. Wie kam das?

Alexander: Wir waren damals beide entschlossen, nach dem Studium in einen Beruf mit China-Bezug zu starten. Klar war uns auch, dass das nur mit guten Sprachkenntnissen wirklich sinnvoll ist. Darum war der Berufseinstieg mithilfe von „Sprache und Praxis“ für uns beide interessant.

Katrin: Aber wir sind nun einmal nicht gleich alt, wir haben unterschiedliche Fächer unterschiedlich schnell studiert, dadurch kam es zu dem zeitlichen Versatz. Rückblickend bedeutete das zwar räumliche Trennungen über längere Zeiten, war aber in mancher Hinsicht auch eine Bereicherung.

Der Reihe nach: Warum wolltet Ihr beide nach China?

Katrin: Wir hatten uns bereits Jahre vorher, 1998 in Shanghai kennengelernt und dort eine tolle, interessante Zeit an der Auslandshandelskammer erlebt. Zurück in Deutschland war uns relativ schnell klar, dass ich nochmal längere Zeit in diesem spannenden Land leben und vor allem die Sprache richtig lernen wollte.

Alexander: Sprachlich war der Aufenthalt 1998 in Shanghai eine herbe Enttäuschung: Ich hatte an der Uni neben dem VWL-Studim Chinesisch-Kurse besucht, verstand aber in Shanghai kaum ein Wort. Deshalb war es um so verlockender, mich im Programm „Sprache und Praxis“ ein Jahr lang nur auf die Sprache konzentrieren zu können – und erst danach mit der beruflichen Praxis zu starten.

Ihr wart dann durch das Programm längere Zeit getrennt. Eurer Beziehung hat das scheinbar nicht geschadet?

Die gemeinsame China-Erfahrung prägt unser Zusammenleben bis heute.

Katrin: Die Trennung war natürlich hart. Aber wir hatten das Glück, beruflich so flexibel zu sein, dass wir uns gegenseitig monateweise besuchen und von China aus arbeiten bzw. studieren oder promovieren konnten. Wir hatten ja immer auch vor Augen, dass wir beide gemeinsam in China leben und arbeiten können wollten. Auch wenn es dazu nicht gekommen ist: Die gemeinsame China-Erfahrung prägt unser Zusammenleben bis heute. Wir hatten beide die Chance, China intensiv kennenzulernen. Man weiß dann genau, worüber der andere spricht, kann die Situation komplett verstehen, sich mit ihm freuen, in Erinnerungen schwelgen und auch beruflich-strategisch gemeinsam überlegen. Interessant für Paare dürfte es sein, dass der DAAD Zuschüsse zum Stipendium gewährt für Kinder und Ehegatten. Außerdem unterstützen zahlreiche Institutionen inzwischen mitreisende Partner auch bei der Jobsuche.

Alexander: Wenn man wie wir die Zeit in China zunächst einzeln angeht, gilt sicherlich: Je flexibler – und China-affiner – der jeweils andere Partner ist, desto bereichernder wird der China-Aufenthalt für beide. Als Katrin in China gelebt und gearbeitet hat, war ich in meinen Semesterferien dort; als ich in China war, hat Katrin immer wieder im Land für ihre Doktorarbeit recherchiert. Wichtig ist wohl nachvollziehen zu können, worüber der andere gerade spricht. Und technisch ist die Kommunikation zwischen den Kontinenten heute ja wirklich kein Problem mehr.

Katrin, Du gehörst zu den wenigen Stipendiaten, die danach stark im akademischen Bereich tätig waren und auch das chinesische Recht lehren.

Katrin: Ja, ich wollte immer eine Doktorarbeit schreiben und fand in China während meiner Praxisphase bei Clifford Chance Beijing mein Dissertationsthema. Beim Schreiben der Arbeit haben mir die Kontakte zu Praktikern in China und die praktischen „insights“ sehr geholfen. Ich empfinde es immer wieder als aufregend und auch wichtig an meine Studenten weiterzugeben, was ich in China erlebt und zum chinesischen. Recht gelernt habe.

Alexander, wie blickst Du nach Deiner Erfahrung in China auf die China-Berichterstattung deutscher Medien?

Alexander: Ich staune immer mal wieder, wie fern China im Geiste doch vielen deutschen Redaktionen noch immer ist. Vielfach wird ja beklagt, das Chinabild in deutschen Medien sei zu negativ. Aber da gilt sicherlich für China wie für alle anderen Teile der Welt: „Only bad news is good news“. Das führt sicherlich zu mancher Vereinfachung und Zuspitzung – auch weil die Berichte aus dem Ausland ohne dies in den Heimatredaktionen weniger Aufmerksamkeit finden.

Würdet Ihr das Programm heute noch einmal durchlaufen wollen?

Katrin: Auf jeden Fall. Anders als viele Expatriates konnten wir China in der Sprachphase intensiv, umfassend und ohne beruflichen Druck kennenlernen. So konnten wir besser als mancher Delegierte verstehen, worüber Chinesen sprachen, was sie bewegt und mit Ihnen diskutieren. Damit konnten wir ganz anders auch in den chinesischen Alltag eintauchen.

Alexander: Die  Praxisphase bildet dann eine gute Brücke ins Berufsleben. Man lernt die Arbeitswelt in China kennen und ist nicht – wie noch immer viele Expatriates – „ins kalte Wasser“ geworfen. Im Gegenteil, man bringt häufig mehr Chinabezug und -begeisterung ein als Kollegen, für die China lediglich eine Stufe auf der Karriereleiter ist. Und die Berufserfahrung in einer anderen Kultur hilft einem selbst dann, wenn man nach dem Programm nach Deutschland zurückgeht.

Heute lebt Ihr gemeinsam in Berlin! Wann geht’s wieder nach China?

Katrin: Derzeit ist Berlin für uns der Ort der Wahl. Einer der Vorteile des Programms ist, dass man nicht auf China festgelegt ist. In Berlin gibt es viele berufliche, kulturelle und politische Anknüpfungspunkte zu China, die wir auch immer wieder gern aufgreifen. So berate ich etwa von hier aus, wenn es um chinesische Investitionen in Deutschland geht.

Alexander: Auch wenn wir nicht in China leben – an China führt ja in kaum einem Beruf ein Weg vorbei. Da helfen Chinawissen und eigene Chinaerfahrung immer wieder, Dinge einzuordnen, Zusammenhänge herzustellen und ein differenziertes Bild zu zeichnen.

 

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