Entdecke den Chinesen in Dir!

Christian Kampf studierte Wirtschaftswissenschaften und ging 2006 nach einem beruflichen Start in der Unternehmensberatung mit dem Stipendium SP nach China. Nach Stationen bei Freudenberg, Metro und einem deutschen Maschinenbauer ging er 2015 in die Selbständigkeit und berät seither deutsche und chinesische Unternehmen beim Start im jeweils anderen Land.

Christian ist außerdem Chief Representative Asia-Pacific von Zimmermann-Graeff-Müller und lebt mit seiner Familie in Shanghai.

 

Christian, was war es, was Dich bewegt hat, nach China zu gehen? 

Meine Faszination war nachhaltig, begann allerdings etwas ungewöhnlich. In meiner Diplomarbeit schrieb ich über deutsche Expatriates in China. Die Berichte haben mich nicht mehr losgelassen und der Reiz, nach China zu gehen, war auch nach dem Studium noch groß. Insbesondere die rasante wirtschaftliche Entwicklung und Perspektive dieses Landes haben mich überzeugt, so dass ich meine langfristige Zukunft beruflich wie auch privat in China sah.

Allerdings hatte ich ein realistisches Bild von den Hürden, von denen mir die deutschen Expats in der Diplomarbeit berichteten. Als ich vom Stipendium Sprache und Praxis erfuhr, war dies eine einmalige Chance. Das Programm hob genau auf die relevanten Aspekte ab und bereitete insbesondere in sprachlicher, kultureller und sozialer Hinsicht auf das Berufsleben optimal vor.

Und dann lag die Stipendienzusage in der Post. Diese Gelegenheit mußte ich nutzen. So hängte ich nach fast zwei Jahren meinen Job als Unternehmensberater an den Nagel und drückte nochmal die Sprachschulbank. Das war in jeder Hinsicht ein krasser Wechsel; aber ich kann ohne jedes Zögern sagen: ich habe es nicht bereut. Um mich optimal auf eine erfolgreiche Karrie in China vorzubereiten, sah ich in dem S&P Programm eine ideale Vorbereitung. Das Programm hat dies in jeder Hinsicht voll erfüllt. Insbesondere die Sprache, das kulturelle und das soziale Umfeld sind sehr komplex. In meinen Augen braucht es Zeit, um eine nachhaltig ausreichende Grundlage zu schaffen. Die zwei Semester und das Begleitprogramm haben das leisten können und diese brauchte es auch dafür.

 

Du hast in China in relativ kurzer Zeit Berufserfahrung bei einigen deutschen Unternehmen gesammelt und schon nach wenigen Jahren Dein eigenes Beratungsunternehmen gegründet. Dieses Tempo und den Tatendrang kennt man sonst als chinesische Eigenschaft. Liegt Dir die chinesische Mentalität und bist Du sogar mehr Chinese als Deutscher in Deinem Denken?

Da fällt mir eine Anekdote ein. Als Stipendiat habe ich auf der Alumni-Jubiläums-Feier meinen damaligen Chef kennengelernt und kurzerhand beschlossen, direkt nach der Sprachphase aus dem Programm auszusteigen zugunsten eines Berufseinstieges. (lacht) Das mag in der Tat für Tempo und Tatendrang sprechen.

Ich stamme aus einer rheinhessischen Weinbaufamilie und habe damit sehr traditionelle deutsche Wurzeln. Als Winzer ist man allerdings auch verantwortlich für seinen Geschäftserfolg. In China helfen mir meine Flexibilität und mein Management-Know-How aus Studium und Beratung sehr. Mag sein, dass ich hier sehr gut hinpasse; auch in Sachen Unternehmergeist. Nach beruflichen Stationen bei den deutschen Unternehmen Freudenberg, Metro und einem Maschinenbauer bin, gut acht Jahre, nachdem ich erstmals chinesischen Boden betrat, in die Selbständigkeit gestartet. Ich unterstütze seitdem vornehmlich deutsche und chinesische Unternehmen aus den Bereichen Konsumgüter, Lebensmittel, Handel und Fußball beim Start oder Ausbau ihrer Geschäfte im jeweils anderen Land.

Meine traditionelle deutsche Herkunft im Weinbau hat mich allerdings auch in China nicht losgelassen. Seit 2016 bin ich zudem Repräsentant von ZGM in Asien-Pazifik – Deutschland‘s größter exportierender Weinkellerei. Gelernt ist gelernt; den Wein habe ich im Blut. Seither haben sich unsere Geschäfte ausgezeichnet entwickelt. Ja, und es ist wohl was dran. Die chinesische und die deutsche Mentalität vereine ich ganz gut.

Längst bin ich auch privat in China verankert. Mit meiner chinesischen Frau und meinen zwei Töchtern, die 10 und 5 Jahre alt sind, lebe ich seit mittlerweile zwölf Jahren hier. Natürlich haben die Mädchen schon einige Weinlesen auf dem Familien-Wingert mitgemacht.

 

Gibt es etwas, was Du Interessierten, die heute vor der Frage stehen, ob sie für eine längere Zeit nach China gehen sollen, mitgeben möchtest?

Global betrachtet ist China nicht nur Hauptwachstumslokomotive unserer Wirtschaft. Das Land ist ebenso massgeblich bei vielen anderen Entwicklungen federführend, ich denke da beispielsweise an social media, Online-Handel, das Internet der Dinge (IoT) und Artificial Intelligence. Das Land wird zukünftig in vielerlei Hinsicht noch größeren Einfluss ausüben als heute.

Wer sich ernsthaft für China interessiert und wer bereit ist, sich darauf einzulassen und langfristig im Chinakontext zu arbeiten, dem kann ich dieses ausgezeichnete Programm „zur Ausbildung unseren wirtschaftlichen Nachwuchses“ empfehlen. Aus der Brille eines BWLers gesprochen ist es eine mehr als lohnenswerte Investition.

Nur zu, entdecke den Chinesen in Dir 😉

 

 

 

 

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